
Ich sage es gleich vorneweg: Die fachliche Eignung ist selten das Problem.Wenn eine Chefarzt- oder Leitungsposition scheitert – entweder schon im Prozess oder später nach dem Start – liegt es meistens an Dingen, die nicht im Lebenslauf stehen. Und genau diese Punkte werden in vielen Kliniken (unabsichtlich) zu spät ernst genommen.
Ich sage es gleich vorneweg: Die fachliche Eignung ist selten das Problem.
Wenn eine Chefarzt- oder Leitungsposition scheitert – entweder schon im Prozess oder später nach dem Start – liegt es meistens an Dingen, die nicht im Lebenslauf stehen. Und genau diese Punkte werden in vielen Kliniken (unabsichtlich) zu spät ernst genommen.
Ich arbeite seit Jahren an genau diesen Besetzungen. Und je mehr Gespräche ich führe – mit Ärzt:innen, Geschäftsführungen, Chefärzt:innen, Pflegedirektionen, MVZ-Strukturen – desto klarer wird: Die meisten Risiken sind nicht medizinisch, sondern menschlich und organisatorisch.
Hier sind die wichtigsten Punkte, die Kliniken häufig unterschätzen.
Viele Suchaufträge starten ungefähr so:
„Wir brauchen einen starken Chefarzt. Jemanden mit Reputation. Der soll die Abteilung entwickeln.“
Klingt gut. Aber was heißt das konkret?
Wenn diese Fragen nicht sauber beantwortet sind, passiert etwas Typisches:
Man interviewt tolle Kandidat:innen – und am Ende bleibt ein diffuses Gefühl: „Irgendwie passt es nicht.“
Nicht weil die Person schlecht ist, sondern weil die Rolle nicht klar genug war.
Mein Praxis-Satz dazu:
Wenn drei Entscheider die Stelle beschreiben und du bekommst drei verschiedene Versionen, wird’s später teuer.
Chefarztbesetzungen sind selten „Chef + Klinikleitung = fertig“. In Wahrheit sitzen (mindestens) mit am Tisch:
Und jetzt kommt der entscheidende Punkt:
Wenn diese Stakeholder nicht vorab ausgerichtet sind, wird der Prozess unberechenbar.
Dann passieren Dinge wie:
Das ist nicht „Politik“ im schlechten Sinne. Das ist einfach Realität in komplexen Organisationen.
Aber: Man muss es früh offen ansprechen.
Ich habe Kandidat:innen gesehen, die fachlich wirklich top waren – und trotzdem war nach 6–12 Monaten die Luft raus. Warum?
Weil die Arbeitskultur nicht passte.
Ein paar Klassiker:
Kultur-Fit ist nicht „sympathisch sein“. Es geht um Arbeitsstil, Konfliktfähigkeit, Tempo, Entscheidungswege, Erwartungshaltung.
Und ja: Das lässt sich im Prozess prüfen – aber nur, wenn man nicht so tut, als wäre es nebensächlich.
Das ist einer meiner Lieblingsmomente (ironisch gemeint):
Alles läuft gut. Kandidat überzeugt. Gespräche positiv. Dann kommt kurz vor final:
Das sind legitime Wünsche – aber: Wenn man sie erst spät formuliert, ist das unfair gegenüber allen Beteiligten und kostet Zeit. Und es führt dazu, dass man Kandidat:innen verliert, die eigentlich passend wären.
Natürlich spielt Vergütung eine Rolle. Aber bei Leitungspositionen höre ich viel öfter Sätze wie:
Gerade erfahrene Chefärzt:innen rechnen anders. Die fragen:
Viele Kliniken investieren extrem viel Energie in die Auswahl – und dann kommt nach Vertragsunterschrift eine Art „Na dann, willkommen“.
Bei Leitungsrollen ist das zu wenig.
Die ersten 100 Tage entscheiden, ob:
Ein gutes Onboarding heißt nicht: Schlüsselübergabe und IT-Zugang.
Ein gutes Onboarding heißt: klare Ziele, klare Erwartungen, klare Ansprechpartner, regelmäßige Feedbackschleifen – und idealerweise ein interner Sponsor, der Türen öffnet.
Wenn ich eine Sache „mitgeben“ müsste, dann diese kleine Checkliste:
Das klingt simpel. Ist es in der Umsetzung nicht immer. Aber es spart am Ende Monate – und manchmal Jahre.